Von Fabian Vögtle
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Bad Godesberg, Samstag um 7.15 Uhr. 900 Kilo Gepäck, 30 Scouts und 1 Volo müssen im Doppeldecker-Bus verstaut werden. Die Stimmung schwankt zwischen Schlaftrunkenheit, Vorfreude, Nervosität und Reisefieber. In Frankfurt kommen die Rucksäcke und Kisten in Obhut von Turkish Airlines und auch die Gruppe steigt in einen Flieger nach Istanbul. Dort angekommen, wartet schon der Anschluss-Airbus nach Kathmandu.

 

Welcome in Nepal

 

Sieben Stunden Nachtflug bis in Nepals Hauptstadt. Der Flughafen dort: kaum größer als die kleinen Flugplätze von Billigairlines in deutschen Provinzen. Einige Touristen sind mit im Flugzeug und landen auch am Rande des Himalayas, denn die Touren-Saison der Bergsteiger beginnt gerade. Im Flughafen herrscht trotzdem gähnende Leere. Nepalesische Sicherheitskräfte langweilen sich, bunt gekleidete Putzfrauen schrubben detailverliebt Fließen rund um die Gepäckbänder. Ob wieder so viele Besucher nach Nepal kommen, wie vor dem Erdbeben im Frühjahr, werden die nächsten Wochen zeigen.

Kathmandu

 

Apropos Erdbeben: wer nicht weiß, wie stark die Region im April und Mai dieses Jahres zerstört und wie viele Menschen dabei gestorben sind, sieht es bei der Fahrt durch Kathmandu nicht unbedingt auf den ersten Blick. Das liegt zum einen an den nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile sichtbar laufenden Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten, zum anderen an modernen, wenig zerstörten Häusern und geschäftigem Treiben auf den Straßen, die den Altstadtkern mit seinen verwüsteten Gassen und Tempeln verdecken.

Los geht's

 

Doch das wird in drei Wochen – vor dem Rückflug – noch erkundet werden können. Nun geht es erstmal mit einem Bus über fünf Stunden in die südlich gelegene Region Chitwan, auf der Hauptroute nach Asien. Verlässt man Kathmandu, folgen teils enge Passstraßen und Serpentinen, der Gegenverkehr hat es genauso eilig und zur vollen Desorientierung aller deutschen Businsassen haben die Nepali das Steuer rechts, also ist Linksverkehr. Landschaftlich ist die Strecke ein Traum – „es grünt so grün“ möchte man singen. Und auf der Küstenstraße entlang des unterhalb liegenden Flusses lassen einen die Hängebrücken staunen, die täglich von der Dorfbevölkerung genutzt werden. Mit offenem Fenster im Fahrtwind hält sich auch die zunehmende Hitze ganz gut aus.

Fahrt

 

Bis zur Stadt Ratnanagar fährt der Linienbus, dann heißt es wieder: Rucksäcke und Alukisten vom Dach und aus dem Kofferraum holen und weiter mit dem kleinen, gelben Schulbus der Little Flower School. Der fährt – alle dicht an dicht gedrängt – über Bharatpur zur Partnerschule Navodaya School in Tandi Bazar. Nach über 30 Stunden ist das Ziel erreicht und einige der Schulkinder sind in ihren blau-weißen Uniformen aus dem Unterricht in den Schulhof gekommen um den Trupp aus Bonn lächelnde mit einem Schal zu begrüßen. Willkommen und Namaste in Nepal!

 

Transport

 

Transport

 

Busfahrt

 

Das Zelt gehört zum Scout wie die Angel zum Fischer und so wird das Dach der Schule erstmal zum Camping-Platz ausgerufen. Zum Essen gibt’s zunächst nur Bananen und Kekse. Denn Indien liefert wegen der politischen Veränderungen in Nepal derzeit weder Gas noch Öl ins arme Nachbarland über die Grenze, und so fällt eine warme Mahlzeit aus. Am späten Abend treiben die erfahrenen Nepal-Fahrer aus Bonn doch noch etwas auf, und wie sollte es anders sein – es gibt zwei Töpfe Reis.

Zeltlager

 

Nun kann es gestärkt und hoffentlich ausgeschlafen, zu den Projekten gehen. Der Wiederaufbau einer Grundschule in Khalikola und die Renovierung des Ratnanagar Hospitals sowie weitere Vorhaben stehen auf dem ambitionierten Programm der dreiwöchigen Nepalexkursion.

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